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Wir wissen gerade gar nicht, was mehr Grund zur Freude gibt: die vielen tollen Platten, die uns dieses Jahr beschert hat – oder die Tatsache, dass mal niemand “letztes Jahr war’s aber besser!” mault. Feststeht, wir freuen uns. Und präsentieren euch hiermit die Jahresbesten, die schönsten Songs und die spannendsten Überraschungen. Und weil es davon dieses Jahr so viele gibt, wissen wir eigentlich schon, wohin das führen wird …
Aber jetzt erstmal viel Spass mit den Alben und Songs, die uns 2009 umgehauen haben.
Wie würden die Jack Daniels Anzeigen, denen wir morgens auf dem Bahnsteig gegenüber stehen, wohl klingen, wenn sie klingen würden? Mit “Sigh No More” haben wir endlich eine Antwort auf diese (zugegebenermassen deutlich schlaftrunkene) Frage. Mit Banjo und Mandoline zaubert das britische Quartett um Marcus Mumford den pompösesten Folk, den man derzeit diesseits des Atlantiks finden kann. Würde in Mumford’s samtig-heiserer Stimme nicht eine Hühnerhaut erzeugende Melancholie mitschwingen, sähe man sich wirklich auf einer Südstaaten-Veranda unbeschwert in den Sonnenuntergang schaukeln.
Das Debütalbum der jungen Südlondoner wurde erst als Liebling der Blogger gefeiert und kann nun gut und gerne als Hype des Jahres bezeichnet werden. Während beim ersten Anhören manches noch kratzt und ziept und nicht zusammenzupassen scheint, so merkt man schon beim zweiten Anlauf, dass alles Sinn macht. Und wie! Die vollen Beats, die minimalistische Instrumentalisierung, der eigentümliche (Sprech-) Gesang von Romy Madley Croft und Oliver Sim – die wohl gelungenste Verschmelzung von New Wave und R’n’B seit es Lautstärkenregler gibt.
Während das Erstlingswerk der New Yorker auf ihrem amerikanischen Label schon Ende 2008 erschienen ist, so wurde es bei uns offiziell erst vergangenen Frühling veröffentlicht. Wir schummeln also ein bisschen, was diese Platte aber mehr als verdient. Mit ganz viel Hall auf den Vocals, düsteren New Wave Klängen und dem charmanten Einsatz von Westerngitarre, Flöte und Mundharmonika stehen die Crystal Stilts irgendwo zwischen The Jesus And Mary Chain und The Velvet Underground. Ob in den 70ern, 80ern oder am besten gleich morgen - dies ist der Stoff, aus dem lange Nächte gemacht sind. Lange Nächte in fremden Küchen, mit neuen Freunden und Pokerspielen, und irgendwann kichernd im Garten liegen und Sterne gucken bis die Vögel zwitschern.
Die fünf WG-Genossen mit einer Vorliebe für Gesichtsbehaarung im Allgemeinen und Oberlippenbart im Speziellen haben am diesjährigen SXSW für grosse Begeisterung gesorgt. Zu Recht, wie wir finden. Die warmen, folkigen Songs der in L.A. wohnhaften Band paaren die Leichtigkeit von Vampire Weekend mit der epischen Dramatik von Arcade Fire und nehmen sich dabei doch nicht zu ernst. Der perfekte Soundtrack, um mit Freunden in einem alten, klapprigen Cabrio die amerikanische Westküste entlangzufahren. Im Sommer. Und bis es soweit ist, rettet uns dieses Album auch durch den Winter. Wir können ja schon mal auf Papierservietten zeichnen, wie Eva kurz vor Santa Barbara das Kopftuch davonfliegt und Tom beim Reifenwechsel von einem Seelöwen geknutscht wird.